„Wenn Extremismus, Rassismus und Antisemitismus salonfähig werden“
18.07.2024
In ihrem Vortrag beim Fachtag in Rottweil am 27. Juni gab Prof. Dr. Münch etwa 50 Interessierten einen Überblick über aktuelle Bedrohungen für unsere Demokratie.
In einer Zeit der historischen Dichte an Krisen und Konflikten ist die Demokratie besonders gefährdet – denn Krisen stärken Unzufriedenheit. Viele Menschen sind verunsichert und haben das Gefühl, keine Kontrolle mehr zu haben. Gleichzeitig stellt sich das Gefühl der Enttäuschung ein, gegenüber staatlichen Institutionen und Strukturen.
Und an diesem Punkt sind viele Menschen bereit, sich auf Extremist:innen einzulassen. Denn gerade Extremist:innen locken einerseits mit dem Gefühl, verstanden zu werden: „Wir sehen euch, wir fühlen genauso, wir sprechen für euch“. Und unterstützen andererseits die schon vorhandene Verunsicherung durch regelrechte Panikmache – denn mehr Angst vor Krisen bedeutet mehr Suche nach „einfachen“ Lösungen in Kreisen von Gleichgesinnten.
Natürlich spielen auch nachlassende Bildung, Strukturwandel (zum Beispiel betreffend Kirchen, Parteien, etc.) und die Veränderungen im Mediensystem eine Rolle für das Erstarken extremistischer Positionen in der Mitte der Gesellschaft.
Damit all das nicht zur Krise oder gar zum Ende der Demokratie führt, braucht es vor allem Vertrauen, Zuversicht und eine Toleranz gegenüber Mehrdeutigkeiten und Unsicherheiten.

Am Nachmittag wurden praxisorientierte Ansätze vorgestellt: Beispielsweise konnten die Teilnehmenden im Demokratiespiel QUARARO unterschiedliche Methoden zur Entscheidungsfindung ausprobieren oder im Workshop der Meldestelle REspect! Erfahren, wie sie mit Hass im Netz umgehen können. Beides bietet Ansätze für mehr Mitgestaltung und Selbstwirksamkeit – wichtige Elemente für Zufriedenheit!
Des Weiteren informierte Antonia Lang von der Goethe-Universität Frankfurt a. M. über die Rolle des ländlichen Raums im Politikgeschehen in Deutschland.
Ein gelungener Tag mit vielen neuen Impulsen für den Landkreis Rottweil!
JW/DH